buchmesse – 2. tag

nach der gestrigen erfahrung investierten wir mehr zeit ins frühstück und spazierten durch die morgenfrische stadt. wir trafen eine gruppe im fotografiekurs, so dass dies uns auch gleich inspirierte – hier die wand hinter unserem stammhotel.

auf dem messegelände hiessen uns die länderflaggen vor stahlblauem himmel willkommen – und die schweizer flagge korrekt als quadrat.

irgendwie schien es fast schade, bei dem schönen wetter drinnen zu sein, doch die architektur der halle liess uns am wetter zumindest teilhaben.

zufällig sahen wir, dass joscha sauer eine signierstunde hatte, der zeichner von nichtlustig comics. die schlange war ziemlich lang, doch optimistisch stellte ich mich an, während dani die bücher kaufen ging. mit meiner vor-ansteherin kam ich ins gespräch, eine medizinstudentin, die sich postkarten signieren lassen wollte, da ihr das geld für ein buch fehlte. als wir rausfanden, dass die geschätzte wartezeit 1.5h betrug und sich das programm beim „blauen sofa“ nebenan sehr spannend anhörte, hatten wir eine idee schnell in die praxis umgesetzt: meine anstehnachbarin bekam von uns das von ihr gewünschte buch und wir hörten nebenan den beiträgen zu.

in der schlange waren auch lebensgrosse figuren von joscha zu sehen, der tod liess sich z.b. die sense signieren.

und dann war es soweit und uns war klar, weshalb die schlange nicht schnell vorwärts kam, bzw. sich das anstehen lohnte:  wir durften uns eine figur wünschen – wegen der schweiz wählten wir die kuh (knapp vor dem lemming), und wir bekamen einen spontancomic in den buchdeckel gemalt. die krönung: joscha schien über telepathische kräfte zu verfügen und malte eine kuh mit lemming.

wir waren fasziniert, wie viele besucher sich in kostüme geworfen haben – unglaublich viele fantasy gestalten. neben den schönen damen waren auch furchterregende ritter und andere krieger unterwegs.  die lvz schrieb in ihrem artikel: „je furchterregender und martialischer die verkleidungen, so schien es, desto höflicher und rücksichtsvoller die jugendlichen träger. die meseleitung hat sogar eigene waffengesetze erlassen: Peitschen dürfen nicht länger als 1.5m sein, die stacheln der halsbänder nicht länger als 5 zentimeter. Spielzeug pistolen, schwerter und Lanzen aus Pappmaché mussten als Nachbauten erkennbar sein. Wurden die vorgaben erfüllt, gabs am einlass eine blaus sicherheitsplakette.“ beim eingang gab es einen spezialgarderobenteil, wo man seine waffe abgeben konnte.

lena gorelik, die ihr buch „sie sprechen aber gut deutsch!“ auf der buchmesse präsentierte, war uns am abend zuvor schon sehr positiv aufgefallen, so dass wir mit freude ihren blickwinkel als ausländerin in deutschland kennenlernten. sie stellt fest, dass man den migtrationshintergrund nicht abschütteln kann, sowie dass man statt von integration eher von teilhaben sprechen sollte – teilhaben an unserem leben in allen bereichen, dass wir uns nicht verschliessen sollten. ebenso regte sie das gedankenexperiment an, sich deutschland ohne  leute mit migrationshintergrumd vorzustellen: gerade in dieser situation wäre kein licht vorhanden, die moderatorin würde alleine auf dem sofa sitzen, alle taxifahrer wären weg etc. das gespräch ist hier aufgezeichnet.

gleich als nächstes konnten wir ein urgestein der deutschen literatur im gespräch bewundern – martin walser. spannend waren seine ausführungen zu den verschedenen ansichten zu gott, insbesondere den unterschied zwischen „Gott ist tot“ und „Gott gibt es nicht“.

dann begann die sonne schon wieder zu sinken, und wir machten uns auf den weg in die stadt, denn das abendprogramm habe ich schon lange ausgesucht – eine podiumsdiskussion mit hans w. geissendörfer, dem erfinder der lindenstrasse, ohne den hintergrund genauer anzuschauen.

wir fanden uns (stehend)  im verlag zweitausendeins, der sich für die veröffentlichung von deutschen filmklassikern auf dvd einsetzt und für den abend vier deutsche regielegenden zum gespräch über die entwicklung des deutschen films geladen hatte. helma sanders-brahms (deutschland, bleiche mutter, geliebte clara), die einzige dame in der runde, erzählte die geschichte, wie sie bei den dreharbeiten zu „medea“ eine szene von einem wunderbaren sonnenaufgang dabei war, die sie so faszinierte, dass sie zum film wollte. die szene selbst wurde jedoch nicht in den film integriert und bleibt so nur in ihrer erinnerung.

der oskargewinner volker schlöndorff (die blechtrommel, homo faber) erzählte die geschichte von der filmlänge: gemäss vorgabe der produzenten musste der film eine bestimmte länge haben, doch er war usrprünglich länger. der produzent bestand darauf, dass die vorgegebene länge strikt eingehalten werden sollte und so brauchte es jahre, bis die verträge alle ausgelaufen waren und der „director’s cut“ jetzt auf dvd veröffentlicht wurde (den wir natürlich sofort auf dvd erstanden und signieren liessen)

michael verhoeven (die weisse rose, das schreckliche mädchen) brachte seine ehefrau mit, senta berger, die  in der ersten reihe im publikum sass und eine unglaubliche ausstrahlung hatte. eine weitere thematik war die rolle des fernsehens in der filmindustrie – einerseits ist es ein wichtiger geldgeber und unterstützer, andererseits ergeben sich dadurch auch vorgaben an die filmemacher (soll ein 2 teiler sein, an 2 abenden mit cliffhanger etc.).  nach der diskussion ergab sich auch eine gelegenheit, mit herrn geissendörfer einige worte zu wechseln, doch ich war etwas nervös und habe die hälfte ausgelassen – aber er weiss von meiner liebe zur lindenstrasse und dass wir christian kennen.

die anschliessende lesung in der alten börse wurde leider abgesagt, so dass wir nach einem absacker ins bett fielen – auch heute bestanden die mahlzeiten hauptsächlich aus hot-dogs und sonstigem fast-food.