dr mond isch bleich, s’isch morgestraich!

kurz vor sechs holte uns peter vom hotel ab und wir spazierten zum cliquen keller der alten schnoogecherzli. die laterne mit dem sujet „e buvette uff dr minschterplatz“ war schon draussen aufgestellt und mit einer kerze beleuchtet.

nach eingehender bewunderung gings in den keller, wo wir mit einem „gläsli wysse und sunnerädli“ den keller und die schönsten, alten laternen bewunderten.

„dr zeedel“ wurde vorgelesen, der das sujet begleitet: der pfarrer vom münster wehrte sich im vergangenen jahr gegen eine open-air beiz auf dem münsterplatz, obwohl der platz auch sonst rege für kommerzielle veranstaltungen genutzt wird. dies in kreativen reimen in baseldytsch.

eine kleine anprobe mit einer larve gabs für daniel, bevor wir aufbrachen.

die laterne wird an den startpunkt des morgenstraichs „gepfiffen“: die laterne voraus, dann die piccolo spieler hinterher (traditionell ohne trommeln), gleich danach die begleiter (wir). so gings von der leimenstrasse zum bankenplatz auf der strasse, und selbstverständlich hatten vortritt – eine ampel phase war meist nicht lange genug, um den ganzen zug passieren zu lassen. doch nicht nur die autofahrer, auch die busse und trams warteten geduldig – und wo es ging, liessen wir sie auch vorbei.

kurz vor dem bankenplatz wartete auch rose auf die laterne, die im letzten jahr ihren hundertsten geburtstag feierte. ihr mann war in der clique aktiv und sie öffnet noch immer ihre haustüre am montag nachmittag, damit das geld aus dem blaggeddeverkauf gezählt werden kann.

nach ablieferung der laterne gabs einen snack (safranrisotto) absacker in der safranzunft. die ganze innenstadt war voller cliquen, die ihre laternen in position brachten, zum teil noch abgehängt. vorfreudig fielen wir ins bett.

der wecker klingelte um 3h und wir waren nicht die einzigen unterwegs zur freien strasse und sicherten unseren platz in der ersten reihe. die cliquen stellten sich auf (yy stoh!). punk 4h morgens erlöschte die strassenbeleuchtung und die tambourmajoren gaben mit dem komando „morgestraich – marsch!!“ den startschuss.

mit tormmeln und pfeifen wurden die laternen durch die strassen getragen. jede clique definiert ihre eigene route.

die cliquen trugen traditionell keine einheitlichen kostüme, jeder nach seinem geschmack. die zum sujet passenden kostüme werden erst für den cortège am nachmittag angezogen.

die kälte zwang uns schon kurz vor 5 zur traditionellen mehlsuppe, von wo wir den barfüsserplatz überblicken konnten und die laternen vor der schönen kulisse vorbeizogen.

danach kämpften wir uns durch die menschenmengen zum „drey keenig“, wo wir nach peter und den schnoogecherzli ausschau hielten. die laterne wies uns den weg und dann gabs noch ein gemeinsames foto fürs album.

und dann noch eines mit larve.

die müdigkeit liess nicht lange auf sich warten, und während dani sich auf den heimweg machte (er musste ja arbeiten), gabs für mich 2 stunden schlaf und anschliessend arbeitete ich noch an meiner präsentation, um dann den cortège am nachmittag zu geniessen. beim kunsthaus traf ich mich beim tinguely brunnen mit véronique (und ihrem mann pascal), die ich seit unserer gemeinsamen internatszeit, also seit gut 20 jahren nicht mehr gesehen hatte, aber dank ihrem „albtraum in silber“ gleich erkannte. (hier ein bild von dem treffpunkt)

der cortège fand bei herrlichstem sonnenschein statt, perfekt für fotos. doch wir standen leider nicht in der ersten reihe, so dass es etwas schwierig wurde, die wunderbaren waggis ohne köpfe abzulichten.

sie verteilten fleissig räppli, orangen, blumen und süssigkeiten.

dann legten wir einen kurzen boxenstop bei sylvia ein, mitten in der innenstadt, um véroniques brille an die maske zu leimen, einen waggis zu trinken und einen speziellen blickwinkel von oben auf ein schissdräggziigli zu geniessen.

auf dem weg zum cliquen treffpunkt für véronique begleitete uns markus, und die beiden musizierten durch die gasse. für mich einer der schönen einblicke in die fasnacht, die mir als „besucher“ verborgen geblieben wären.

gerne wäre ich noch länger geblieben, die wetterbedingungen waren herrlich und die räppliwerfenden waggis, einzelmasken und gruppen wärmten mein herz.

das fasnachtsvirus hat mich voll gepackt, vor allem dank dem persönlichen einblick durch peter und véro – ganz lieben dank! hoffentlich hält das strahlen in den augen noch lange an – zumindest die konfettis werden mich wohl noch einige zeit begleiten, haben sie sich doch in die hintersten ritzen meiner kleidung geschummelt. nächstes jahr plane ich besser voraus, um mehr als nur einen tag zu geniessen.