herumkommen in und um grønland

Nach zwei Wochen Grønland-Abenteuer wird es Zeit, sich einmal näher mit den Fortbewegungsarten der Grønländer beschäftigen.

In einem zu über 80% von bis zu 3 km dickem Eis bedecktem Land mit nur 0,026 Einwohnern pro eisfreiem (!) Quadratkilometer (total 56.000 Einwohner auf 2.600 mal 1.200 km) und langen, harten Wintern sieht das natürlich etwas anders aus als daheim.

Verbindungen auch zwischen kleinen Städten werden gerne per Flugzeug abgewickelt: Die kompakten Stadtstrukturen bieten kurze Wege zu den Flughäfen, und es gibt zahlreiche und schnelle Verbindungen (auch weil keinerlei Kontrollen stattfinden müssen). Dafür fliegt man vielleicht wie wir mit dem gleichen Flugzeug mit 2 Zwischenlandungen die Westküste ab – es ist fast wie Busfahren. Im Winter kann der Flugplan auch einmal ordentlich durcheinandergewirbelt werden. Und wenn die Passagierzahlen einer Verbindung sehr niedrig sind, kann es schon auch einmal ein Linien-Helikopter von Air Greenland statt eines Flugzeugs sein.

Die Flughäfen liegen wie die Siedlungen eigentlich immer am Wasser, meist an der Küstenlinie (weiter im Inland wartet ja bereits wieder das Eis). Hier mit Narsarsuaq ein besonders eindrückliches Exemplar, im Hintergrund der Gletscher, im Vordergrund das Fjord, dazwischen die Landebahn. Der ehemalige Militärflughafen (der Ort wurde höchstwahrscheinlich noch von Flugpionier Lindbergh persönlich ausgewählt) wurde praktischerweise von den Amerikanern zurückgelassen. Wegen der exzellenten Infrastruktur gibt es hier im Sommer auch internationale Verbindungen – auch wenn Narsarsuaq selbst nur ca. 160 Einwohner zählt. Dafür verabschiedet einen der örtliche Feuerwehrmann noch mit persönlicher Note an der Gangway!

Für etwas kürzere Strecken bieten sich zumindest in der eisfreien Zeit Linienschiffe an – die öffentlichen Unternehmen haben teilweise jedoch einen wechselhaften Ruf als „May be Line“, und fahren wie die „Disko Line“ in unserem Fall auch schon mal 5,5h zu früh ab:

Der Übergang zu kleineren privaten Linien und Privatbooten, die einem eine Mitfahrt möglich machen, ist letztlich fliessend. Alle Beteiligten einer Transportverbindung scheinen bestens aufeinander abgestimmt und koordiniert, und selbst mitreisende Grønländer stellen die Weiterreise sicher (so telefonierte bei unserer Einfahrt in Qaqortoq ein Passagier mit unserem Hotel, und ein anderer parallel für uns mit der Touristeninformation).

Auch nach der längsten Bootsfahrt (bei uns waren es 100 km) erreicht man einmal die angepeilte Landmarke. Wenn der Zielort sich weiter im Inland befindet, kann es helfen, einen Shuttle Service per Quad oder Jeep für sich selbst oder zumindest das Gepäck zu organisieren. Letzteres kann man dann bei gutem Wetter einfach am Anleger liegenlassen und zu Fuss loslaufen – hier werden gerade auf der anderen Seite der Bucht unsere 3 Rucksäcke vom roten Jeep des Hotels abgeholt:

Zwischen Orten oder Städten gibt es keine festen Strassen – die Infrastruktur wäre unter den klimatischen Bedingungen für die riesigen Distanzen bei nur sehr wenigen Einwohnern viel zu aufwändig (eine 30km lange Verbindung zweier Städte wird wohl gerade diskutiert).

Typische kleinere Siedlungen (50-150 Einwohner) haben meist ebenfalls keine Strassen, nur wintertauglich beleuchtete Pfade, und manchmal auch Quad-Pisten.

Wenn sich eine Ortschaft erst einmal über 500 bis 1.000 m erstreckt, sind meist auch Straßen und Privat-PKW vorhanden. Doch selbst die größte und Haupt-Stadt Nuuk (16.000 Einwohner) ist insgesamt nur ca. 8 km lang (inkl. Verbindungsstrasse zum Flughafen) und hat ein Strassennetz von knapp 100 km (wenn man jedes kleine Anschlussstück mitrechnet). Bereits bei der drittgrössten Stadt sind es nur noch 40 km – dafür sind dort bei Anmietung des einzigen Mietwagens sämtliche km inklusive!

Private Autos werden vor allem genutzt, um schwere Ladung zu transportieren, z.B. das private Erst- und Zweit-Boot vom Hafen auf den Parkplatz vor dem eigenen Haus zu ziehen:

Daneben helfen sie aber auch an strengen Wintertagen (wenn sie denn anspringen!), für den Transport der meist zahlreichen Sprösslinge, und natürlich fürs „Sehen und Gesehenwerden“. Beliebt hierfür sind Kurzsprints zum Flughafen (meist die einzigen 1-2 km „Rennpiste“ mit schwacher Besiedlung), aber auch das Auto-Flanieren mit Statussymbolen auf der örtlichen „Main Road“. So fiel uns in Nuuk in der Nähe der einzigen Verkehrsampel Grønlands der wohl einzige Porsche Cayenne des Landes auf – um kurze Zeit darauf mindestens weitere 7 Mal auf der gleichen Strasse auf und ab zu fahren (wir haben verglichen: Identisches Kennzeichen). Immerhin fünfmal konnten wir ihn im Bild festhalten:

Natürlich kann man in Städten auch einfach „den Bus“ nehmen – meist ist es tatsächlich genau einer (dafür hält er gern individuell nach Absprache). In Nuuk sind es immerhin drei Linien (mit je max 30 min Fahrzeit). Wie wir feststellen mussten, ist allerdings selbst in Grønland Eis-Essen im Bus explizit verboten:

Wenn Busse vorhanden sind, fahren sie meist nur bis zum frühen Abend. Alternativ bieten sich Taxis für ein paar Stunden länger an: Nicht ganz günstig, dafür werden die Taxis von den wohl aufrichtigsten Fahrern der Welt gesteuert, wie wir gleich nach der Ankunft lernen durften (der angebotene Pauschalpreis zum ersten Hotel erschien uns etwas hoch – wir bevorzugten das Taxometer und zahlten für die Erfahrung gern deutlich mehr).

In den 9 Monaten „Winter-Halbjahr“ nutzt der Grønländer selbst für längere Strecken gern Schlittenhunde (südlich des Polarkreises ist die Haltung allerdings verboten, um eine Vermischung der Hunderassen zu verhindern). Hundeschlitten haben klare Vorteile: Die zugefrorenen Fjorde und Buchten bieten viel Platz und ebene Strecken (einige der offiziellen Pisten führen abwechselnd über das Eis in den Buchten und hügeliges Festland), die „Zugmaschinen“ geben sich mit Fisch als Tankfüllung zufrieden, und in den meisten Städten haben die Schlitten Vorfahrt:

Für die übrige Zeit im Jahr darf es auch das Fahrrad sein. Allerdings nicht so, wie wohl immer mal wieder Ausdauer-Sportler meinen, die gern quer von Ost nach West mit dem Rennrad durch Grønland fahren würden, dabei die in den Karten eingezeichnete schnurgerade Gebietsgrenze irrtümlich für eine Strasse halten und dann bei Einreise an der Ostküste ihre Pläne deutlich ändern müssen… Das Fahrrad eignet sich vor allem in Form eines Mountainbikes für lokale Wanderstrecken, oder auch innerorts.

Und wenn der Untergrund auch dafür zu unpraktisch ist, kann man immer noch zu Fuss gehen – In den Städten trifft man auffallend viele Fussgänger. Und zwischen Orten stiessen wir auf traumhafte Wanderrouten, auch wenn die vorgeschlagenen Strecken manchmal nur eine sehr grobe Orientierung geben können, weil z.B. Pfade saisonal zu Wasserläufen werden, oder aber orange Flechten Wegmarkierungen vorgaukeln…