freitag an der buchmesse

Wir starteten in den messetag wie gestern beim deutschlandradio. Musikalischer gast war westbam, der sein buch „die macht der Nacht“ zufälligerweise passend zum 50. geburtstag veröffentlicht.

westbam im gespräch

seine musik sei etwas anderes als die klassische rock-musik: im gegensatz zu den rolling stones kommen seine alten fans nicht mit ihren enkeln zu seinen auftritten, da zu seinen auftrittszeiten, die meisten schon im bett sind. wer mit 50 noch in clubs sei, sei entweder ein freak oder verdiene geld damit.

westbam in action

Peter Richter (links im bild) erzählt von seiner jugend in der zusammenbrechenden ddr im gespräch mit alexanxer osang (mitte), der sein buch „comeback“ präsentierte, in dem es um die musik geht. Peter richter erinnert sich dran, dass  die rockbands jeweils eine prüfung unterzogen wurden, wo sie auftreten dürfen, z.b. in kirchen. in seinem roman roman 89/90 beschreibt er das ende der ddr und die Wiedervereinigung aus der perspektive eines teenagers – eigentlich genau die alterskategorie von dani. Er formuliert pointiert und erläutert die für nicht „eingeweihte“ unverständlichen begriffe in fussnoten.

peter richter

der nächste gast, mirjam pressler hat tags zuvor den preis für die übersetzung gewonnen, neben kinderbüchern jat sie auch die bücher von lizzie doron aus dem hebräischen. Die beiden frauen verströmten eine unglaubliche herzlichkeit und das gespräch dreht sich um die schwierigkeit, einen text zu übersetzen da er in einer anderen sprache einen ganz anderen ton bekommen kann.

übersetzerin

wir schlugen uns durch zum ard-forum – hier sind alle gespräche vom freitag abrufbar.  den anfang machte jan weiler im gespärch mit dennis scheck – gleich doppelt gut. sie diskutieren über das neue buch „kühn hat zu tun“, welches ein page turner sei. jan weiler habe keine probleme damit, dass er keine preise bekommt. Ein grund könnte sein, dass er erfolgreich ist vom verkauf her, dass er die anerkennung dadurch bekommt und nicht durch preise. Die beschreibung der figur „kühn“ zeigt die empathie, mit der er sich voll in die person hineinlebt, dass sie z.b. nicht talking heads hört, sondern iron maiden. die vorgelesene passage, wie der nachbar von herrn kühn das bankengeschäft beschreibt, war eine so treffende analyse, dass wir das buch auf jeden fall erstehen werden.

jan weiler

gleich anschliessend gabs nochmals denis scheck mit dem „best of druckfrisch“ – eigentlich nochmals die gleichen empfehlungen wie tags zuvor, doch anders formuliert und andere schwerpunkte. er warnt einmal mehr vor bestsellern, dass sie der kleinste gemeinsame nenner des massengeschmackes seien, beim essen wird es plastisch, dass das meistverkaufte essen definitiv nicht das beste seil. klatsch könne man auch bei sueton lesen, der vom verhältnis von caesar und nikomedes schrieb. Er brauche lyrik, um der kontamination durch die unzähligen werbebotschaften zu entgehen. Literatur sei für ihn dazu da, liebgewonnene gedanken zu hinterfragen. definitiv ein highlight!

druckfrisch

kristof magnusson (rechts) kennen wir vom buch „gebrauchsanweisung für island“ und er stellt seinen neuen „arztroman“ vor, bei dem es tatsächlich um ärzte geht. Als notärztin ist die figur anita in der ganzen stadt unterwegs und erhält einblick in die verschiedenen haushalte – und bemerkt erst nach und nach, dass ihr privatleben komplett zusammenbricht. das buch schafft es mit widmung in unseren koffer.

Kristof Magnusson

zurück beim ard forum lauschten wir gregor gysi und friedrich schorlemmer, dem pastor der ddr,  über ihr buch „was bleiben wird“. es ist ein streitgespräch der beiden über die ddr – was bleiben wird und nicht, was bleiben soll. wie bei vielen themen ist es so, dass je mehr man die ddr beschimpft, desto eher wird sie verteidigt. Das Gespräch fand in einem studio statt, mit viel humor und respekt. Differenzen werden sachbezogen ausgetragen. Auch hier kommt der hinweis, dass witze seit dem fall der ddr nicht mehr so gut seien – es ist nicht mehr nötig, die aussage so geschickt zu verpacken, dass es nicht zu offensichtlich wird.

Gysi/Schorlemmer

sibylle berg thematisiert in ihrem buch „der tag an dem meine frau einen mann fand“ die mid life crisis in beziehungen bei menschen so knapp über 40, da sich in ihrem bekanntenkreis viele paare unerwartet getrennnt haben. Frau berg beklagt sich etwas darüber, dass ihre bücher nicht so gut verkaufen. irgendwie kam sie etwas komisch rüber – und selbst denis scheck als gesprächspartner konnte ihr nicht wirklich viel entlocken.

sybille berg
Bei der leseinsel der jungen verlage hörten wir den jungen autoren zu. Rythmisch tragen sie ihre texte vor, sie strotzten vor wunderbarer beobachtungsgabe und pionierter sprache. auf dem bild sind die nrw poetry slam meisterin sandra da vina und der humorchampion sascha thamm.

leseinsel junge verlage

arno geiger ist uns wohlbekannt durch das buch „der alte könig in seinem exil“ über seinen an alzheimer erkrankten vater. es sei ein buch über einen unvollkommenen menschen. wir seien alle nicht vollkommen und wir schämen uns darüber – was nicht nötig sei. in seinem neuen buch „selbstportrait mit flusspferd“  geht es um den 22 jährigen julian, der mit dem ersten selbstverantwortlichen  handeln konfrontiert wird. er kümmert sich um ein zwergflusspferd. Das zwergflusspferd ist ein tier, das mit grösster selbstverständlichkeit stinkt und dick ist, man kann es nicht melken, umarmen, vor einen karren spannen – man kann es zu nichts gebrauchen und spielt evolutionstechnisch keine rolle, zusätzlich macht es nicht auf grösse, sondern ist dann noch klein. eine analogie darauf, dass umwege die Ortskenntnis erhöhen und dass zielstrebigkeit überschätzt wird.  das buch hat ein offenes ende, denn arno geiger ist der überzeugung, dass jeder mensch ein recht auf ein schicksal hat, das offen bleibt, daher sterben seine figuren jeweils nicht.

arno geiger

Am stand der jungen welt solte ein geapräch über cuba stattfinden mit hans modrow, dem zweitletzten ministerpräsident der ddr. Als wir am stand auftauchten, kamen wir ins gespräch mit einem sehr interessanten zeitgenossen, der uns ein kostenloses 3-wochen-abo der zeitung andrehen wollte. Ich war nicht sicher, ob ich es wirklich richtig verstand (der dialekt war ziemlich ausgeprägt), als er etwas sagte von wegen dass der aufstand 1989 mit einfachen mitteln hätte verhindert werden können, man hätte nur ein paar pfaffen und dissidenten wegsperren müssen, er sei damals offizier in der nationalen volksarmee gewesen und sie seien bereit gewesen. Wir hörten mal zu und kamen dann durch unseren wohnsitz in der schweiz um das gratis abo rum. Im gespräch war herr modrow trotz seiner 87 Jahre sehr präsent und die augen wach. Im bezug auf cuba erwähnte er, dass die frage des eigentums geklärt sei, z.b. was gehört in staatshände (bildung, etc.), was näher zum einzelnen gehört. wir hätten uns gerne mal bei einem bier mit ihm unterhalten, doch hier war die zeit zu knapp.

hans modrow

wir trafen auch hier wieder unseren nachbarn vom morgen bei westbam, der interessiert fotos schoss.

fotograf

die LVZ Autorenarena besuchten wir am freitag nicht, hier werden wir alle gespräche nachschauen. das abendprogramm begann in der alten handelsbörse mit einer lesung von james frey’s buch „endgame“. Ein ehemaliger schulkollege von dani liest es vor.

handelsbörse

Das buch sei ein riesiges projekt, es hat ein rätsel, wo man einen goldschatz finden kann. Es gibt einen trailer für das buch, facebook seiten der figuren, das spiel spielt man mit einem mobilen gerät. Für das rätsel reiche jedoch das buch. james frey will das verlagswesen umkrempeln, neue kunden suchen. Für das rätsel hat er zwei kryptologen angeheuert, damit es auch passt. Für das hörbuch musste uve alles genau lesen, keine sätze umstellen oder einen punkt auslassen war nicht  drin, er liest also beispielsweise auch die zahl pi bis 200 stellen nach dem komma.

uve

Nach einem kurzen schwatz wanderten wir zum neuen schauspiel und waren froh, dass wir gestern nacht noch tickets kauften, denn es war restlos ausverkauft. die slam poeten trugen verschiedenste texte aus allen lebenslagen vor. Und so schön der blick von oben war, irgendwie waren wir doch etwas weit weg.

slam poetry

Im Anschluss war die party der jungen verlage und als wir von unserem snack zurück kamen, sah es etwas mau aus. Wir stellten uns an die bar und warteten auf uve und seine freunde, und der laden füllte sich allmählich, als wir uns auf den heimweg machten, war die tanzfläche komplett gefüllt.

verlagsparty