günter grass an der buchmesse

nach der langen nacht starten wir heute eine stunde später als die erstan tage. Die anreise bereitete uns bereits auf den rummel vor – der zug war bereits bei der einfahrt gut gefüllt und wir waren glücklich über unsren stehplatz in der mitte des zuges.

in vollen zügen

Vor der messe selbst freuten wir uns über unsere tickets, denn die schlange vor der kasse war ziemlich lang – und das bei dem wetter!

schlangestehen

heute starteten wir mal nicht beim deutschlandradio, sondern bei 3sat: michael wildenhain war mit seinem buch „Das lächeln der alligatoren“ für den buchpreis nominiert. – der protagonist, der einen behinderten bruder hat und sich in seine pflegerin marta verliebt,  hinterfragt seine erinnerungen permanent, ob er beispielsweise schuld ist an der behinderung seines bruders oder ob seine erste liebe marta ihn wirklich geliebt hat.

buchpreisnominant

Wir freuten uns, dass wir eine gelegenheit hatten, Thomas brussig mit seinem roman „das gibts in keinem russenfilm“ etwas ausführlicher zu sehen und seinen Gedanken zu lauschen – es sei eine parodie auf eine autobiographie vom helden thomas brussig, der in einer welt spielt, in der 1989 die mauer nicht gefallen ist. die einzige etwas negativw bzw. lächerliche person ist der romanheld thomas brussig selbst. Er wird unter anderem mit einem roman konfrontiert, in dem der autor beschreibt, dass die mauer gefallen sei. Das scheint ihm sehr weit hergeholt und dass die mauer aufgrund eines versprechers bei einer pressekonferenz fallen soll, sei ja komplett unmöglich. damit zeigt der autor, dass die realität keine rechtfertigung braucht, ein roman hingegen schon.

thomas brussig

Als nächstes wollten wir sehen ob uve auch gut aufgestelanden ist und begaben uns zur leseinsel fantasy. Die gelesenen stellen waren zwar die gleichen wie gestern, aber erst jetzt fielen uns die vielen zahlen auf. nächster stop war das blaue sofa mit günther grass. der andrang war gross, dank unseren klappstühlen sassen wir ganz vorne . Herr grass äussert sich über das älterwerden. In der buchreihe „freipass“ kommen verschiedene autoren zu wort, die ihre meinung frei äussern dürfen.

günter grass

Frage an GG: Was treibt sie um? Die zunehmende machtlosigkeit handlungsunfähigkeit der politik. Lobby und finanzwirtschaft sind die treibenden kräfte, die ertrinkenden flüchtlinge sind ein zeichen dafür. Die gefahren der demokratie sind nicht die islamisierung, sondern hausgemachte themen – die einschränkung der rechte der bürger, kontrolle durch usa, uk etc. Herr grass beklagt sich, dass frau merkel nicht auf einen brief von verschiedenen schriftstellern bezüglich der heutigen situation reagiert und die medien dies auch so hinnehmen.

blaues sofa von oben

Was würde er zu pegida und lügenpresse sagen? Erstmal auf die gegendemos hinweisen. Eine homogenisierung der zeitungen ist nicht abzustreiten, gewisse tabus gibts auch. Gut, sei die rechte szene in deutschland überschaubar, und es hat keine intellektuellen, die sich dort aktiv engagieren. Er vermisst die harten Kritiker, denn streit sei befruchtend und es kommen keine neuen nach! Ein erhellendes gespräch, wie herr grass viele grosse themen in fast einem satz einfach auf den punkt brachte.

günther grass

Wir pflügten uns durch die menge zum auftritt schweiz zu linus reichlin. wir verpassten den anfang des gespärchs, aber hörten trotzdem noch genug, um das buch auf unsere wunschliste zu setzen.Bei der leseinsel der jungen verlage setzten wir uns fürs picknick hin und genossen die lesung von julia höfler der eigentlich max heisst, der aber gestern seinen namen mit einer julia getauscht hat und sie danach aus den augen verloren hat, bevor er den namen zurücktauschen konnte. Sein buch „wies is is.“ besteht aus einem einzigen satz mit viel rythmus und vielen aufzählungen und ausprobieren von wörtern – der wechsel mitten im satz von einem kapitel zum anderen gestaltete er geschickt, dass man den übergang gar nicht bemerkte, ausser das das thema sich änderte.

ein satz

Der letzte programmpunkt an der messe war die verleihung des preises für den ungewöhnlichsten buchtitel von 2014, einen von den jährlichen 89’000 neuerscheinungen in deutsch. Ein jury mitglied war der direktor der buchmesse, der darauf hinweist, dass das papierbuch gerade bei den Leuten beliebt, die viel am PC arbeiten, da sie sich voll darauf konzentrieren können. Der gewinner war thomas spitzer mit „Wir sind glücklich, unsere Mundwinkel zeigen in die Sternennacht wie bei Angela Merkel, wenn sie einen Handstand macht“ nach der preisübergabe las er eine kostprobe und wir erwarben das buch, natürlich mit Widmung.

preisgewinner

Auch heute liessen wir die LVZ arena beiseite  und werden hier samstagsgäste gezeigt. die ard gäste kann man dann hier anschauen. Das samstagsabendprogramm ist traditionell im neuen rathaus bei der litpop.

neues rathaus

Die erste lesung aus dem leben eines teenagers erschien uns so banal und auf dem niveau eines schulaufsatzes, dass wir uns nicht mehr wunderten, dass 89’000 neuerscheinungen pro jahr überschwemmen. so begaben wir uns in die untere wandelhalle

litpopzwerge

der dritte gast war herr lichtenstein, er nennt sich ein performance künstler und wurde durch die edeka werbung bekannt. seine autobiographie „super“ trägt sein konterfei auf dem cover, was gemäss dennis scheck nicht gerade für die qualität eines buches spricht. mit der bemerkung, dass er das buch bis auf wenige seiten gar nicht selbst geschrieben hätte, verlor er bei uns allen kredit und wir zogen ein haus weiter, auch wenn die moderatoren hier sehr überzeugend waren.

super geil

Manuel möglich ist mit seinem buch „deutschland überall“ rund um den globus den deutschen nachgereist – von der kava erfahrung in der ehemaligen kolonie samoa über die deutschen in lüderitz zum oktoberfest in brasilien. ein spannendes projekt. die anschliessenden slam poeten mischten nochmals den laden auf und wir fielen müde ins bett.

deutschland überall

2 Comments
  1. Ich kann es mir nicht verkneifen…ein dickes Kompliment zum ausführlichen und auch sehr kritisch hinterfragten Bericht über die Buchmesse; eine der Bedeutendsten! Sehr beruhigend wirken auf mich Dennis Scheck’s Aussagen und bekräftigen meine Ansichten!
    Vielen Dank und Gruss!

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