von anfang an dabei

den ersten messetag starteten wir früh und überraschenderweise war der zug bereits morgens um 9:15 richtig gefüllt. schnell waren wir jedoch beim messegelände und drin – der erste tag, noch vor dem beginn der meisten veranstaltungen. apropos veranstaltungen: auf dieser karte sind alle veranstaltungsorte im zusammenhang mit der buchmesse eingezeichnet.

location übersicht

und da wir so früh da waren, gabs sogar ein bild auf fast leerer treppe.

startschuss!

der erste programmpunkt war beim deutschlandradio – thomas brussig stellt sein buch vor: „das gibts in keinem russenfilm“ – aufgrund der frage nach der bedeutung des mauerfalls hat er die perspektive eingenommen, wie es denn aussehen würde, wenn es nicht passiert wäre. Er spinnt die geschichte weiter und gibt den heutigen, bekannten  figuren andere karrieren. Im buch ist das modell eine kapitalistische marktwirtschaft unter führung der partei. Es ist sehr erfolgreich und erst kauft die ddr das volk. Die frage, geld oder leben stellt sich jedem von uns öfters als man denkt. ebenso zeigt er, dass die realität keine rechtfertigung braucht – im roman lässt er die theorie aufkommen, dass die ddr grenze aufgrund einer bemerkung an einer pressekonferenz gefallen sei, was die figuren im roman als komplett verrückt bezeichnen.

russenfilm

anton leitner (ohne bild)  zeigt dass lyrik in der heutigen welt nach wie vor auch in liebesdingen eine rolle spielen. Linus reichlin erwischten wir auf dem blauen sofa, er stellte sein buch „in einem anderen leben“ vor.  es geht unter anderem um erinnerungen, und der aussage, dass sich erinnerungen sich zurechtbiegen.

linus reichlin

als erstes highlight hörten wir denis scheck zu bei seinem „best of druckfrisch“. neben der werbung für alte römosche literatur beschwert er sich über die ratgeberlitaratur, die immer banaler wird, sein favorit ist „how to shit in the woods“. ebenso gibt er einen tip, wie man bücher doch anhand des covers beurteilen kann: ist das bild des autors prominent vorne abgebildet, zeigt dies, dass der autor bekanntheit aus anderen gefilden nutze  will um das buch zu verkaufen. wir notierten uns gleich einige namen, die wir auf der buchmesse suchen würden. hier kann dieses und alle Gespräche vom donnerstag beim ard forum nachgeschaut werden.

dennis scheck

bei einem verlag zeichnete die autorin gerade frische bilder – sie outete sich als katzenfreundin und zeichnete für mich eine katze, die sie mir mitgab. leider haben wir uns den namen der freundlichen künstlerin oder des verlags nicht gemerkt, so dass wir sie nächstes jahr wieder suchen müssen.

malerin

wir wechselten dann zur LVZ autorenarena, hier können alle gespräche vom tag nachgeschaut werden – ein toller service! als erstes sahen wir mircea cărtărescu, den preisträger des preises  für europäische verständigung.  für ihn symbolisiert der schmetterling das menschliche geschick, die idee der unsterblicbkeit muss beim beobachten eines schmetterlings entstanden sein. Erst kriecht er wie der mensch als made auf dem boden, dann stirbt er, kommt in einen sarg, den er aufbricht und als engel in den himmel kommt. Das gegenteil davon ist die spinne, mit der sich unsere tiefsten alpträume verkörpern. Jeder roman braucht himmel und hölle. auf die ansprache der situation in rumänien unter der diktatur meint er, dass jedes land einen eigenen diktator hat, und dass es besser ist, wenn man seinenn eigenen diktator hat als einen fremden. Für viele autoren ist es „gut“ in einer diktatur zu leben, es fügt viele wunden zu, aber es gibt einen grund zum schreiben. So kann man die wunden verarbeiten – einerseits aufgebracht oder satirsch. Er hat sich für das positive entschieden. besonders beeindruckt hat uns der übersetzer, der nicht nur die 1800 seiten des buches sondern auch die aussagen pointiert übersetzte.

mircea

Pavel kohout ist zun ersten mal an der leipziger buchmesse und er hofft zum letzten mal, da er das messegeschäft nicht so schätzt. Das buch spielt in prag in den milongas, den tango-lokalen. Herr kohout gesteht, dass er noch nie in einem solchen lokal war und er es nur aus den erzählungen kennt. Er wurde 1979 als geschenk des tschechoslowakischen regimes an österreich „geschenkt“ und konnte glücklicherweise bereits gut deutsch, so dass er sich als schriftsteller auch in der fremdsprache ausdrücken kann, nicht wie sein romanheld. Er sei aber nicht ganz so willkommen gewesen, da er zwar links aber nicht mehr blauäugig war. ein spannendes leben, gut erzählt.

pavel kohout

peer steinbrück hatte ein strenges programm an der messe, einer der autoren mit den meisten auftritten. wir erwischten ihn bei der LVZ. Seine Aussagen schienen sehr fundiert. beispielsweise dass die bankenkrise nur schläft – eine zweite rettung gibt es nicht, denn der steuerzahler würde eine zweite rechnung nicht bezahlen wollen. Probleme mussen global gelöst werden – seuchen, unweltprobleme und auch wirtschaftliche themen mussen länderübergreifend gelöst werden, dass firmen die gewinne dort versteuern sollen, wo sie eingefahren werden und nicht länger das europäische steuergefälle ausnutzen. Die themen sollten geteilt werden, was grenzüberschreitend geregelt werden sollte, und was in den komunen. Kompetenzen sollen so geregelt werden, dass bürger sich selbst findet, z.b. krümmungsgrad der gurke, die grossen themen wie banken regulierung oder umweltschutz international. Technische revolution – physikalischer mit divitaler welt ist vor allem von usa getrieben, gibt keine deutsche bzw. Europäische firmen. Gefahr für freiheit durch marktmacht und monopol bestimmungen. Manipulationsmöglichkeiten sind gewachsen, begriffe und themen können einfach von der liste verschwinden.

peer steinbrück

gemessen an der anzahl der fotografen und videoteams, ist heino bisher der bekannteste gesprächsparner. Seine musikalische geschichte hört sich spannend an. anscheinend verkaufte er  anfang der 80er menr platten als john lennon, was jedoch nirgends prominent publizieren würde.

ansturm

seine ursprüngliche plattenfirma gab ihm einen vertrag auf Lebenszeit gab, für sein neues album mit coverversionen wollte sie jedoch das Risiko nicht auf sich nehmen, so dass er eine neue plattenfirma gesucht hat – der erfolg gibt ihm recht. Er freut sich sichtlich über den erfolg und die begeisterung der jungen leute für seine musik. seine darstellung bezüglich der beziehung zu den toten hosen und anderen deutschen bands erscheint uns jedoch etwas einseitig bzw sehr zu seinen gunsten schöngefärbt und wir fühlten uns sofort an die aussage von linus reichlin erinnert, dass die erinnerung sich oft zurechtbiegt. irgendwie verspielte er sich damit bei uns seinen zuvor gewonnen sympathiebonus und wir hegten unsere zweifel, ob die vorher von ihm geschilderten anektoten nicht auch etwas zu seinen gunsten ausgelegt wurden. beim betrachten des buchtitels schoss uns der hinweis von denis scheck bezüglich dem grossen bild des autors auf dem buchtitel – wir beschlossen einstimmig, dass dieses buch nicht in unserer bibliothek einzug halten wird.

heino mit buch

bei martin suter sassen wir in der ersten reihe, hatten wir doch noch einen auftrag, ein signiertes buch mitzubringen. so aus der nähe wurde uns auch bewusst, dass er mit jahrgang 1948 nicht mehr ganz der jüngste ist. der roman montecristo hörte sich sehr spannend and und wir erstanden auch ein exemplar – natürlich mit widmung.

martin suter

danach wechselten wir in die innenstadt für die abendveranstaltungen. im zeitgeschichtlichen forum wurde der comic von schwarwel von der friedlichen Revolution mit vielen autoren vorgestellt.  spannend waren die ausführungen des museumsleiters, der die schwierigkeit der bewahrung der geschichte erläuterte. Einerseits werden die zeitzeugen immer älter, andererseits stehen 40 jahre ddr 25jahre nach der revolution gegenüber, so dass die gewichtungen sich stetig änderten und der aufbau der räume muss angepasst werden.

schwarwel

für das abendprogramm hatten wir mehrere alternativen – wir begannen mit dem interessantesten veranstaltungsort, dem reichsgericht. leider kamen wir zu spät, die plätze für die lesung von jan weiler waren leider schon alle besetzt.

reichsgericht

auf die gleiche situation trafen wir beim ringkaffee, so dass wir gleich zur moritzbastei zur langen leipziger lesenacht gingen und ein steak vom grill genossen . die erste schicht genossen wir in der ratstonne. ein schweizer jungautor las aus seinem italien-roman und die beiden figuren sprachen unterschiedlich – einer mit italienischem akzent, einer mit schweizerischem.

L3 moritzbastei

nach den empfehlungen von denis scheck sahen wir zu, dass wir die lesung von leif randt nicht verpassten, sein buch planet mignon wurde in den höchsten tönen gelobt. der gelesene ausschnitt überzeugte uns auch und wir erstanden das buch, jedoch ohne widmung/autogramm.  nach dem  ersten vollen tag sanken wir erschöpft ins bett.

leif randt