titanic und auftakt der buchmesse

wieder zurück in leipzig fuhren wir als erstes zum asisi panometer, um das bild der titanic zu sehen. wir schafften es gerade zur führung und erfuhren so einiges in der ausstellung. dort ging es vor allem um die industrialisierung, wie der mensch sich die maschinen zu eigen macht und so die allmacht ausdrückt. vor allem war es auch eine zeit des umbruchs, die meisten menschen misstrauten der technischen entwicklung (ähnlich wie heute) und es musste vertrauen geschaffen werden. so schien einschiff mit wenigen rettungsbooten vertrauenswürdiger als eines mit vielen. von der titanic gab es noch zwei schwesternschiffe, fast gleich konstruiert, die pläne wurden einfach überschrieben.

baupläne titanicein nachbau des bugs in originalgrösse über dem wasser offenbart die dimensionen des schiffs, hat aber im querformat keinen platz.

wrak

das bild im inneren war dann fast nicht mehr so spannend wie die führung. es war meist dunkel und die details nicht so zahlreich wie bei früheren bildern.

blick von nahemVom shoppingtrip fuhren wir direkt ins täubchenthal, wo heinz strunk mit „jürgen-die show“ für uns den auftakt der buchmesse. es war so ein schöner abend, dass leider keine bilder gemacht wurden und wir schnell schlafen gingen und waren rechtzeitig vor dem grossen ansturm an der buchmesse.

buchmesse - yeah!traditionell begannen wir den messetag mit der lesung am stand des deutschlandfunkes, wo verschiedene autoren kurz zu wort kommen, so können wir sehen, welchen autor wir bei einer anderen lesung nochmals sehen wollen.  die sechs autoren könnten unterschiedlicher nicht sein. jakob hein ist psychiater und sein neustes buch geht um den versuch, im 2. weltkrieg, den jihad auszulösen. dana grigorcea ist rumänin und wohnt in zürich. sie erzählt von ihrer leserreise in rumänien mit vielen besuchern, vor dem hintergrund, dass rumänien die tiefste bücherverkaufsrate europas hat, habe sie wohl alle leser persönlich getroffen. Der zugang zu bildung sei in rumänien nicht so einfach, was diesen umstand erläutern könnte. angelika klüssendorf stellt ihr neues buch vor, der dritte teil einer trilogie um die schirftstellerin april. darin kommt ludwig vor, der ihrem verstorbenen ehemann gleicht, allerdings ist er darin nicht publizist, sondern chirurg. die idee hört sich sehr spannend an, mal sehen, ob wir noch eine gelegenheit zum genauer zuhören haben. stefan dörsing als poetry slammer und beatboxer trägt einen spannenden text über die orientierung vor, die schwierigkeit, sich heutzutage zurechtzufinden. zu guter letzt wird bernd roeck interviewt. er ist nominiert für den sachbuchpreis mit seinem 1000-seitingen buch „der morgen der welt“. Es geht un die renaissance, und die frage, weshalb europa mit der industrialisierung so erfolgreich war und der rest der welt nicht. die erfindung der schraube nutzt er als beispiel, weshalb dies möglich war. oft sind es ja die kleinen dinge, die einen grossen unterschied machen.

bernd roeckdenis scheck und seine buchsendung „druckfrisch“ ist unser zweiter fixpunkt bei der buchmesse. Seine buchtipps und auszüge aus dem „schreckensregal“ sind wie immer ein highlight und erweitert die agenda.

druckfrischbjörn berge stellt seinen „atlas der verschwundenen länder“ vor: anhand von briefmarken werden verschwundene länder aufgezeigt. es gibt über 1000 länder, die seit der ersten briefmarke verschwunden sind. seine konklusion aus dem buch besteht darin, dass sich die geschichte wiederholt. die hauptquelle sind augenzeugen, so dass geschichten und geschichte vereint sind. die briefmarken sind echt. die geschichte wiederholt sich, im kleinen und im grossen. (bild von vivat-shop.at)

atlas der verschwundenen länderder nächste ort war die schweizer ecke. peter stamm stellt sein neues buch vor, in dem es um einen herrn geht, der seinen doppelgänger trifft. wie er erzählt, bemerkt man, dass er beim schreiben von den büchern auch überrascht wird – als ob er die figuren erschafft und dann sieht, was passiert. gleich danach stellt daniel levin sein buch „alles nur ein zirkus“ vor und erzählt, was seine stiftung in verschiedenen ländern tut. ein beispiel besteht darin, dass von geschädigten staaten herausgenommen werden und ausgebildet werden, um anschliessend in den ländern staatliche strukturen aufzubauen.

daniel levinnachdem denis scheck seit jahren heinrich steinfest als autor preist, bot sich endlich die gelegenheit, ihn in einem gespräch zu sehen. er sei beim schreiben jeweils überrascht von den aktionen der figuren, er könne nicht in die zukunft des romans schauen. seine figuren entwickeln sich erst beim schreiben. das ende ist im roman immer etwas gesuchtes, da die figuren ja noch weiterleben. Es kann einen abschluss geben, aber ein wirkliches ende ist es nicht. eine äusserst spannende sichtweise und ein schöner abschluss des messetages.

steinfest