wintereinbruch an der messe

wir waren etwas später dran um aufs messegelände zu gelangen, so dass alles etwas länger dauerte – die menschenmassen in den zügen sind schon nichts schönes. dafür trafen wir auf dem weg zum zug  zufälligerweise uve, den schulfreund von dani.  an der messe waren wir dann zu spät für unseren tagesstart beim deutschlandfunk, gerade noch rechtzeitig für nora gromringer, die ein gedicht deklamierte. einmal mehr beeindruckte sie durch ihre ausstrahlung. arno geiger stellt sein neues buch „unter der drachenwand“ vor, welches im dritten reich spielt. wir blieben gleich für den nächsten programmpunkt sitzen, ein längeres gespräch mit gretchen dutschke, der frau von rudi dutschke, der 1968 in den studentenrevolten angeschossen wurde. gespannt hörten wir ihren erzählungen zu, wie das leben danach für beide weiter ging und welche schwierigkeiten sich ergaben. interessant war vor allem auch das damalige gesellschaftsbild, welches sie aufzeigte – und einmal mehr waren wir froh, erst nach dieser zeit geboren worden zu sein.

gretchen dutschkevon jürgen neffe hatten wir bis dahin nich nichts gehört, folgten jedoch unserer regel, dass wir wenn möglich allen gesprächen mit denis scheck beiwohnen möchten. den lesetip von jürgen neffe, der die autobiographie von karl marx geschrieben hat, besteht darin, beim lesen mit dem kapital auf seite 85 zu beginnen. auch sonst waren die einblicke in das leben von karl marx spannend.

jürgen neffeuwe-karsten heye erzählt über seine autobiographie, die fast filmreif ist, der vater glaubte, die mutter und die kinder seien bei einem schiffsunglück ertrunken, die mutter erhielt die nachricht, dass der vater gefallen sei. erst 22 jahre später gibt es zufälligerweise ein wiedersehen, doch die distanz ist zu gross. in der lvz-autorenarena waren wir rechtzeitig, um das gespräch mit peer steinbrück zu hören. er bringt spannende thesen bezüglich europa auf und stellt die frage, in welchem system/verbund wir denn lieber leben wollten als in europa. eigentlich eine rhetorische frage, die man sich jedoch durchaus öfters stellen kann, wenn man sich unwohl fühlt in der gegenwart.

peer steinbrückdas abendprogramm begann an der alten handelsbörse, in dichtem schneetreiben waren wir frühzeitig da und hatten gute plätze. beim blick nach draussen hat es sich gleich doppelt gelohnt – der schneefall wurde immer stärker und die schlange wuchs.

schneefall und schlangeals auftakt des abends erzählt rüdiger frank von seinen besuchen und einsichten in nordkorea. der plan von kim jong-un sei seit jahren sehr klar: erst die unantastbarkeit durch die waffen schaffen, dann die wirtschaft entwickeln. eine revolution ist nicht zu erwarten, da es ein repressives system gibt und es keine punkte gibt, wo sich gleichgesinnte treffen können. die möglichkeit der verbeugung vor dem einbalsamierten kim il song und kim jong il ist für nordkoreaner ein persönliches highlight und eine ehre, was sich viele besucher nicht bewusst sind. ein sehr erhellender einblick in das abgeschottete land.

unterwegs in nordkoreaalice schwarzer erzählt in ihrem buch „meine algerische familie“ über ihren bezug zu algerien und den menschen dort. eine sehr schöne geschichte, allerdings frage ich mich, ob die geschichte auch so eine aufmerksamkeit erhalten würde, wenn sie nicht von einer so bekannten frau geschrieben wäre.

alice schwarzernavid kermani erzählt in seinem buch über die reise von deutschland nach isfahan über gräber. Im zusammenhang mit dem zweiten weltkrieg erwähnt er, dass die orte wie auschwitz immer wichtiger werden, da die Zeitzeugen wegsterben. für menschen ist es möglich, dass man sich ins leben der grosseltern hineindenken kann, hingegen die kindheit der urgrosseltern viel zu weit weg ist. für die heutigen kinder reicht es nicht mehr sonweit zurück.

navid kermaniheute schafften wir es noch für einen absacker im imperii mit japanese chocolate, salat und melonpop. ein schöner abschluss des tages.

imperii